Ganz ehrlich! Dieser Artikel vom 11.3.2024 im "Eichsfelder Tageblatt" über Schulen im Untereichsfeld hat mich einigermaßen sprachlos gemacht und empört. Weiß Britta Eichner-Ramm, worüber sie schreibt?
Ein persönlicher Kommentar von Reinhard Dierkes

In dem ganzseitigen Text werden Schulen per Elternmeinung (dis)qualifiziert hinsichtlich ihrer Wirkung und ihres angeblichen Rufs, den sie in bestimmten Elternkreisen offenkundig haben. Da mag in einigen Passagen ein völlig überschätztes Niveau des eigenen Kindes oder jedenfalls die Hoffnung auf einen stabilen Schuldurchgang dahinter stehen. Das lehrt erst die Schullaufbahn. Aber als ET unreflektiert die Aussage einer namentlich nicht genannten Mutter aus Gieboldehausen zu übernehmen, "die KGS sei leider zur Hauptschule von früher geworden...", ist unentschuldbar. Jedenfalls dann, wenn man sich als Journalistin nicht die Mühe macht, einmal näher zu beleuchten, wie es zu diesem Ruf kommen konnte und ob er denn eine nachprüfbare Grundlage hat. Und diese Kritik muss sich dann zwangsläufig an die Duderstädter Bildungsspezies wenden - nicht an die KGS, die deren Probleme ausbaden muss. Und da geht der Blick zurück in die Zeit, in der die Astrid-Lindgren-Schule und die St. Ursula-Schule schließen mussten - nicht, weil sie Hauptschulen waren, die keiner brauchte, sondern weil es keine ausreichende Nachfrage mehr gab.

In der Situation wäre es für eine Stadt wie Duderstadt, (die sich immer für eine christlich orientierte Gemeinde hielt, jahrzehntelang von der Christlich DU regiert wurde und sich für lange Zeit landesweit mit dem Gütesiegel Christliche Schule (SUS) schmückte), angebracht gewesen, dafür zu sorgen, dass die eigenen Stadtkinder (ich wiederhole: die eigenen Stadtkinder!) auch in Duderstadt beschult werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jede anständige städtische Schulstruktur. In Duderstadt leider Fehlanzeige. Der Landkreis hat seinerzeit zwei Optionen für eine städtische Lösung gehabt: Die eine Lösung wäre eine Gesamtschule gewesen. Für Duderstadt undenkbar! Die zweite Lösung wäre die Umwandlung der Sielmann-Realschule in eine Oberschule gewesen. Eigentlich eine landesweit erprobte Lösung, noch dazu ein schulpolitisches CDU-Kampfmodell gegen die Gesamtschule, im Nahraum beispielsweise etabliert in Groß Schneen und in Hattorf. Dieses angedachte schulpolitische CDU-Modell führte anlässlich einer Schulausschusssitzung des Kreistags in Duderstadt, besonders in der Sielmann-Schule zu heftigsten Gegenreaktionen, Protesten, Ankündigungen für mehr davon... Das ist auch noch im Rückblick - und war es auch damals - eine Manifestation kollegialer Unsolidarität mit den Gieboldehäuser Lehrerinnen und Lehrern. Und es offenbart einen pädagogischen Egoismus, der seinesgleichen sucht und vermutlich nicht zu finden sein wird, weil er darin bestand, die eigenen Schülerinnen und Schüler abzuschieben als in Duderstadt nicht erwünscht und dadurch anderen Schulen massiv zu schaden. Ein Verharren im bildungspolitischen Tribalismus. In christlichen Kreisen seit Jahrtausenden schlichtweg ein bekanntes Zeichen der Geringschätzung: Matthäus 25, Vers 40: "Was ihr einem der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan." In Duderstadt tut man jedenfalls nichts dafür! Jesus ist tot! Schulpolitischer Exorzismus as it`s best! Hallelujah!

Was tun? Duderstadt bekommt einen teuren Erweiterungsbau im Schulzentrum. Es muss doch möglich sein, diese wenigen Duderstädter Hauptschülerinnen und Hauptschüler noch zusätzlich in Duderstadt unterzubringen. Auch diese werden künftig gebraucht und haben ein Recht darauf, ortsnah in ihrer Heimatstadt beschult zu werden. Und bildungsintegrativ arbeiten können doch sicher auch die KollegInnen der Sielmann-Schule. Da wollen wir uns doch nicht täuschen lassen. Und die Erfahrung mehrerer Jahrgänge zeigt mir: etwa die Hälfte der EGD-SchülerInnen kommt nicht bis zum Abitur und geht entweder nach Göttingen bzw. verbleibt dann "in Duderstadt", eine hier gebräuchliche Umschreibung, dass man das EGD verlassen hat, aber jetzt in der Sielmann ist. Klingt irgendwie besser: "in Duderstadt"... Diese Schülerinnen und Schüler können, sofern sie aus dem Gebiet der Samtgemeinde Gieboldehausen kommen, auch mit sehr guten auch integrativen Aussichten an die KGS wechseln. Ich vermeide hier absichtlich den Begriff "abgeschult werden". Also: Antrag der CDU im Samtgemeinderat Gieboldehausen, eine solche Option zu prüfen und dann ab in den Kreistag! Tipp: Duderstädter Meinungen sollte man vorher nicht einholen, die ignoriert man an dieser Stelle. Bringt eh nichts!

Dies ist ein sehr persönlicher Kommentar, den ich geschrieben habe. Und das ausschließlich als ehemaliger Lehrer an der KGS Gieboldehausen (und in keiner anderen Funktion). Weil der Zeitungsartikel mich empört hat, ist eine gewisse Schärfe im Text zu finden. Allerdings sind meine Erfahrungen an der KGS Gieboldehausen völlig andere, als es die der oben zitierten Mutter vorgeblich sind. Und zwar positiv. Durchweg!